Der Übergang des Erfolges vom Lancia Stratos auf den Fiat 131 Abarth vollzog sich wie in einer cineastischer Überblendung. Im Jahr 1978 wurden für die Stratos und für die 131 Abarth verschiedene Rennen ausgesucht. Wobei den 131 Abarth die Aufgabe zu kam, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, während die Lancia in den europäischen Rennen starteten.
Lancia Stratos - konstruiert um die Rallyes zu dominieren
Mit dem futuristischen Prototyp des Karosseriebauers Nuccio Bertone aus den 1970er Jahren ist es Cesare Fiorio, damals Sportdirektor von Lancia, gelungen Chivassos Management zu überzeugen, in diese Richtung zu investieren, um den Nachfolger des Fulvia HF zu entwerfen. Er wurde nur zu einem einzigen Zweck konstruiert - Rallyes zu gewinnen.
Der Prototyp “0” des Stratos, von Bertone auf dem Turiner Autosalon 1970 vorgestellt, sorgte für reichlich Aufsehen: Die Mechanik stammte vom Fulvia 1,6 HF, aber vom Aufbau her war der Stratos ein extrem niedriges und geschmeidiges Coupé mit Heckmotor und Heckantrieb, ohne Türen und mit einer sich öffnenden Windschutzscheibe, um überhaupt in den Fahrzeuginnenraum zu gelangen. Fiorio, der bereits ein Rennfahrzeug mit Heckmotor im Kopf hatte, konnte Ing. Ugo Gobbato, damals Geschäftsführer von Lancia, überzeugen, dass dies der richtige Weg war, um den neuen Lancia, der die Rennen dominieren sollte, zu bauen.
Was fehlte war ein leistungsstarker Motor. Es wurden verschiedene naheliegende Hypothesen in Betracht gezogen und wieder verworfen: vom Boxer des Flavia bis zum V6 des 130, schließlich entschied man sich für den V-förmigen Sechszylinder des Dino 246 Ferrari, wahrscheinlich, weil mit diesem Auto schon Experimente für die Tour de France gemacht worden waren und man die ausgezeichnete Kraft und Zuverlässigkeit des Motors kannte. So entstand eine echte Rennbestie (von den Franzosen „bête à gagner“ genannt), mit zentralem Heckmotor in einer Querposition, McPherson-Federbeinen an der Hinterachse und Doppelquerlenker an der Vorderachse.
Alles wurde für Rallyes entworfen, angefangen bei der breiten Motorhauben- und der großen Kofferraumöffnung, die einen einfachen Zugang zur Mechanik und dem Fahrgestell ermöglichte. Die futuristische Keilform des Prototyps von Bertone kennzeichnete auch den endgültigen Stratos, der bald zur Ikone der Sportlichkeit des Lancia wurde. Im Cockpit gab es nur zwei „trockene“ Sitze und wenig Platz für den Rest, in zwei Fächern in der Innentür konnten jedoch die Rennhelme verstaut werden. Auch Pirelli hatte mit der Entwicklung des “tiefergelegten” P7 einen großen Beitrag geleistet, der es den Piloten ermöglicht, die beachtliche Kraft auf den Boden zu bringen und den agilen Stratos selbst unter den schlimmsten Bedingungen zu zähmen. Eine Mischung aus italienischem Stolz macht sich bereit, die Rallyes weltweit zu dominieren.
Vor der Homologation der Gruppe 4 am 1. Oktober 1974 hatte der Lancia Stratos bereits an mehreren Rennen teilgenommen, die hauptsächlich dazu dienten, das Auto zu testen und abzustimmen. Der erste Sieg wurde bei der „Firestone Rallye“ im April 1973 errungen.
Von den offiziellen Stratos, die zuerst mit 12 und dann mit 24 Ventilköpfen ausgestattet wurden, gab es insgesamt 26, bei einer Produktion von circa 500 Exemplaren, welche eine außerordentliche Anzahl von Siegen errangen, wobei der Lancia Stratos zu Recht die „absolute Waffe” der Rallyes genannt wurde. Wo der Lancia antrat, war er praktisch unschlagbar. Er gewann die Rallye Monte Carlo drei Mal in Folge, drei Titel in der der Marken-WM (1974 bis 1976) und weitere europäische Fahrertitel, zusätzlich zum Sieg (1977 mit Sandro Munari, auch "il Drago“ genannt) bei der Weltmeisterschaft FIA der Fahrer Rallye.
Das Gerücht um die Homologation:
Eine sichere Angabe über die Zahl der produzierten Stratos - etwa 500 sollen es gewesen sein - existiert nicht. Kolpotiert wird an den Stammtischen immer wieder, dass Lancia den Sport-Funktionären an jenem 1. Oktober 1974 zunächst nur 200 Autos in den fünf Stratos-Farben Rosso arancio (rotorange), Verde chiaro (grün), Azzuro chiaro (blau), Giallo fly (gelb) und Bleu vincennes (dunkelblau) präsentiert habe - die Hälfte des für die Homologation erforderlichen Kontingents. Anschliessend seien die hohen Herren zu Tisch gelanden worden, um nach dem Dessert auf einem zweiten Platz wieder 200 Autos gezeigt zu bekommen. Womöglich seien dies genau jene der ersten Vorstellung gewesen.
Auffallend ist im Nachhinein tatsächlich, dass ein Grossteil der Serien Stratos lauf Lancia-Produktionsunterlagen erst 1975 gebaut wurden.
Die Serien-Stratos standen dann bei den Händlern `wie Blei` in den Schauräumen. In D vielen die Neupreise (ca. 45`000.-) bis auf DM 15`000.--. In der Schweiz verkaufte ein mir bekannter Händler die letzten beiden Stratos für Fr. 25`000.-- . Und heute werden von Sammlern gut und gerne Fr. 500`000.-- für ein Original bezahlt - wenn man dann noch einen findet....
Quellen: fcaheritage.com / Motor Klassik 10/93
Dani

