Ich danke dir für deine ausführliche Rückmeldung!
Das ein fest angestellter Ingenieur bei FIAT zweifellos mehr kann, als jemand dessen Thesis vor nicht all zu langer Zeit eingereicht wurde zweifelt niemand an.Mir ging mit meinem Beitrag darum euch vereinfacht zu zeigen, welchen Anforderungen das Ansaugsysstem alles gerecht werden muss, und welche Kompromisse dafür eingegangen werden.
Zitat
Die Ingenieure bei Fiat werden bis zu einem gewissen Maß das "idealste" (jaja mehr geht immer) aus dem Fahrzeug geholt haben....
Das ist korrekt. Es ist der für FIAT ideale Kompromiss zwischen Kundenanforderungen, gesetzlichen Anforderungen und Controlling.Nun ist man aber als Besitzer eines Abarth dazu bereit, Geld aus zugeben um eine effizientere Lösung hinsichtlich der Leistung zu erreichen. Wir verschieben also die Anforderungen zugunsten der optimaleren Verbrennung aus der ein höheres Drehmoment resultiert. Mehr Drehmoment bedeutet mehr Leistung.
Beginnen wir mit einem kleinen Einstieg in die Motorentechnik. Entscheidend für das erzeugte Drehmoment ist der Ladungswechsel im Zylinder. Also der Austausch der Füllung im Zylinder von Frisch- und Abgas. Elementarer Bestandteil davon ist der Liefergrad. Dieser gibt Auskunft über das tatsächlich im Zylinder befindliche Volumen an Frischgas wenn der Ladungswechsel abgeschlossen ist. Vereinfacht ausgedrückt, wie viel Frischgas ist im Zylinder, wenn die Ventile geschlossen sind?Je höher der Liefergrad, desto höher das Drehmoment bei gleichbleibenden Wirkungsgrad und Heizwert.
Das bringt uns zu der folgenden Frage:
Zitat
Wie viel Luft muss der Motor/lader ziehen das die ansaugung nicht ausreicht?
Das Ansaugsystem reicht vollkommen aus für die in Serie angestrebte Leistung. Sie wird auch darüber hinaus ausreichen, wie man an den Ergebnissen von abgestimmten Fahrzeugen bei sonst gleichen Bedingungen erkennt. Der Teufel liegt in den vielen kleinen Variablen.
Zitat
Wie hoch sind die Temperaturen nach dem verdichten[...]
Wie stark der Verdichter (turbolader oder Kompressor) diese erhitzt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen die absolute Temperatur der angesaugten Frischluft am Eingang des Verdichters. Weiterhin wirkt sich das Verdichtungsverhältnis aus und der Wirkungsgrad des Verdichters. Es ist also entscheidend mit wie viel Grad die Frischluft in den Turbolader eintritt, wie stark diese verdichtet wird und wie effizient der Turbolader verdichtet. All das kann man berechnen, wenn man die entsprechenden Kennzahlen besitzt. Ist kein Hexenwerk.
Nun besitzt Luft bei hohen Temperaturen eine geringere Dichte wie bei niedrigen Temperaturen. Daraus resultiert, dass bei gleichem Volumen eine geringere Menge an Luft enthalten ist. Gemessen am Brennraum des Motors wäre also im Vergleich der Liefergrad bedeutend geringer, wenn man die Frischluft so dem Motor zuführt. Daraus würde ein im Vergleich bedeutend geringeres Drehmoment resultieren.
Aufgabe einer Ladeluftkühlung ist die Senkung der Temperatur der Frischluft, wodurch sich deren Dichte wieder erhöht. Durch die Erhöhung der Dichte ist somit wieder mehr Frischgas bei gleichem Volumen. in Bezug auf den Liefergrad bedeutet dies, dass dieser erhöht wird, je geringer die Temperatur des Frischgases. Somit also mehr Drehmoment.
Eine effizientere Kühlung der Ladeluft resultiert also in einem Anstieg des Drehmoments, da sich mehr Frischgas im Brennraum befindet.
Zitat
Wie hoch sind die Temperaturen nach dem verdichten das die llk das nicht schaffen ?
Ab wann machen Sie schlapp ?
Entscheidend für die Effizienz eines Ladeluftkühler ist aber dessen thermischer Wirkungsgrad (um wie viel Grad kann die Temperatur gesenkt werden), sowie dessen Fließbehinderung (wie hoch ist der Druckverlust). Dies sind die entscheidenden Faktoren eines Ladeluftkühlers. Entsprechend dem können die originalen Ladeluftkühler nicht schlapp machen, aber effizientere Ladeluftkühler aus dem Zubehör können die Temperatur der verdichteten Reinluft noch weiter senken. Und das Resultat bis hin in den Zylinder kennen wir ja nun. Ein gesteigerter Liefergrad. 
Wie schon erwähnt, kann man all das wunderbar rechnen. Da ich zu faul bin alle Variablen zu erörtern, zwei Rechenbeispiele mit kalkulatorischen Variablen bzgl. der Effizienz des Verdichters und der Ladeluftkühlung:
Zitat
Beispiel 1 Serienfahrzeug mit originalem Ladeluftkühler mit angenommener Effizienz:
Rohlufttemperatur: 20°C
Absoluter Druck: 100kPa
Ladedruck: 200 kPa
Effizienz Turbolader: 75%
Effizienz Ladeluftkühler: 60%
Ergebnis:
Temperatur nach Verdichtung: 105°C
Temperatur nach Ladeluftkühler: 54°C
Dichte Luft nach Ladeluftkühler: 2.13104kg/m³
Nun Veränderung der Außentemperatur um plus 15°C:
Rohlufttemperatur: 35°C
Absoluter Druck: 100kPa
Ladedruck: 200 kPa
Effizienz Turbolader: 75%
Effizienz Ladeluftkühler: 60%
Ergebnis:
Temperatur nach Verdichtung: 124°C
Temperatur nach Ladeluftkühler: 71°C
Dichte Luft nach Ladeluftkühler: 2.02496kg/m³
Beispiel 2, Serienfahrzeug mit effizienterem Ladeluftkühler (+15%):
Rohlufttemperatur: 20°C
Absoluter Druck: 100kPa
Ladedruck: 200 kPa
Effizienz Turbolader: 75%
Effizienz Ladeluftkühler: 75%
Ergebnis:
Temperatur nach Verdichtung: 105°C
Temperatur nach Ladeluftkühler: 41°C
Dichte Luft nach Ladeluftkühler: 2.22242kg/m³
Nun Veränderung der Außentemperatur um plus 15°C:
Rohlufttemperatur: 20°C
Absoluter Druck: 100kPa
Ladedruck: 200 kPa
Effizienz Turbolader: 75%
Effizienz Ladeluftkühler: 75%
Ergebnis:
Temperatur nach Verdichtung: 124°C
Temperatur nach Ladeluftkühler: 57°C
Luftdichte nach Ladeluftkühler: 2.11232kg/m³
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Ich denke es wird deutlich, dass eine effizientere Senkung der Temperaturen der Reinluft zu einer Steigerung des Liefergrades führt. All das ist natürlich etwas vereinfacht, da dieser durch weitere Faktoren beeinflusst wird. Aber zum Verständnis reicht es hoffentlich aus.
Der ein oder andere erkennt vielleicht auch, dass eine Senkung der Temperatur der Reinluft sich bis hin zur Verdichtung im zweiten Takt auswirkt. Habe ja schon mitbekommen, dass hier gerne einmal über die Klopfneigung diskutiert wurde und eine geringere Temperatur wirkt sich positiv auf die Klopfneigung aus.
Zitat
Aber als angehende kannst du uns ja sicher Messungen anbieten die belegen das der llk (Position,Dimensionierung,rohrführung) und die Ansaugung besser zu lösen sind (Filterposition und Durchmesser)...oder andere nachvollziehbare und nachprüfbare Methoden!
Sure. Man muss lediglich ein Fahrzeug in absolutem Serienzustand auf einen Prüfstand stellen und zeichnet während der Läufe die Temperatur der Frischluft vor dem Zylinderkopf auf. Dann werden Ansaugung und Ladeluftkühler optimiert und unter den selbigen Bedingungen noch einmal Läufe absolviert und mitgeloggt. Die Daten kann man dann miteinander vergleichen und hat sein Ergebnis. Zum loggen reicht ein simples Tool von Zeitronix etwa.
Wenn du dir aber erhoffst das ich in absehbarer Zeit mit Zahlen um mich werfe, muss ich dich leider enttäuschen. Vielleicht ist der Beitrag trotzdem für den ein oder anderen mehr wie nur Verschwendung von ein paar Kilobite.
Schönes Wochenende miteinander! 